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DVET und ECET vereinigen sich zur Fachgesellschaft FgSKW

25. Januar 2011 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Pflegeexperten Stoma+Inkontinenz+Wunde vereinigen die Berufsverbände DVET e.V. und ECET – Deutschland e.V. zur neuen Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde (FgSKW).

neue Fachgesellschaft FgSKW

Wenn Stomaträger untereinander ihre Erfahrungen austauschen, sieht man gelegentlich fragende Gesichter. Die Betroffenen berichten von ihren Stomaberatern, Stomaschwestern, Stomatherapeuten, Pflegeexperten, Hilfsmittelberatern … und alle haben sie irgendwie etwas mit Stomatherapie zu tun. Aber welche Qualifikation steckt hinter den einzelnen Berufsbezeichnungen? Wessen Fachwissen basiert vor allem auf Praxiserfahrung und wer hat zusätzlich eine tiefer gehende theoretische Weiterbildung?

Noch schwerer verständlich wurde es, wenn sie fest stellten, dass es auch noch zwei Fachverbände gibt, den DVET Fachverband und den ECET – Deutschland e.V. Beide vertraten bisher Pflegekräfte, die in der Stomatherapie, in der Wund- und Inkontinenzversorgung tätig sind. Beide haben ihre eigene Geschichte, verfolgten aber vergleichbare Ziele. Zumindest in diesem Punkt hat die Verwunderung unter Stomaträgern nun ein Ende. Die Mitglieder der Fachverbände besiegelten im Herbst letzten Jahres den Zusammenschluss beider Organisationen. Aus ihnen geht die neue Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde (kurz: FgSKW) hervor.

Schon in der Vergangenheit arbeiteten beide Fachverbände oft zusammen. Um eine definierte und fundierte Qualifikation für den eigenen Berufsstand durchzusetzen, entwickelten sie in Kooperation mit den Weiterbildungsinstituten und dem DBfK die Weiterbildungen zum „Pflegeexperten Stoma, Inkontinenz, Wunde“. Die berufsbegleitende Weiterbildung für Gesundheits-, Kranken- und Altenpfleger, die heute rund 750 Theoriestunden plus Praktika beinhaltet, startete im Jahr 1978 in Düsseldorf und wurde seitdem beständig erweitert und ausgebaut.

Und gerade diese Weiterbildung erfährt im Moment eine große fachliche Anerkennung. Möchte sich eine Klinik zum Darmkrebszentrum zertifizieren lassen, müssen dort nachweislich Pflegeexperten mit einer anerkannten Weiterbildung nach den Kriterien der Fachgesellschaft die fachliche Verantwortung in der Stomatherapie tragen. Und zunehmend fordern auch Krankenkassen in ihren Verträgen mit Leistungserbringern (Sanitätshäuser, HomeCare-Unternehmen) ausdrücklich genau diese Qualifikation bei den dort beschäftigten Mitarbeitern. Insgesamt eine Entwicklung, die der Weiterbildung einen Boom beschert und den sieben Weiterbildungsinstituten in Deutschland volle Kurse.

Was die FgSKW betrifft wächst hier zusammen, was zusammen gehört. Gemeinsam eröffnen sich neue Wege, die hohe Fachqualifikation in der Stomatherapie weiter zu etablieren, Leitlinien und Standards zu entwickeln. Ein wünschenswerter Verlauf, hin zu einer besseren Betreuung von Stomaträgern. Denn heute stehen immer noch zu viele Betroffene nach ihrer Operation alleine da und müssen irgendwie zurecht kommen. Auch wenn es noch ein langer Weg ist auf dem einige Hürden genommen werden müssen, bis allen Stomaträgern ein kompetenter Pflegeexperte zur Seite steht.

Kategorie: Stomatherapie

Ein herrliches Bauchgefühl

13. Dezember 2010 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Zweiter Teil unserer Serie “Stoma in Bildern”

„Zuerst fühlte ich nur ein dumpfes Streichen auf der Operationsnarbe, dann wurde die Berührung immer intensiver. All die schmerzliche Erinnerung, all das Leid, das mein Bauch erfahren hatte, wurde regelrecht übermalt!“

Was war passiert? Anja* kommt gut klar mit ihrer Erkrankung und ihrem Stoma. Trotzdem ist sie völlig gebannt von dem, was sie gerade erlebte. Sie ist eine von drei Betroffenen, die mit Bodypainting ihren Bauch bemalen ließen.

Stoma & Bodypainting

Stomakunterbunt

Als Norbert Schöttler am Universitätsklinikum Münster für seine Abschlussarbeit in der Weiterbildung zum Pflegeexperten Stoma, Wunde und Inkontinenz auf Themensuche war, schlug ihm die international bekannte Stomatherapeutin Christel Ravenschlag († 2010) das Thema Stoma und Bodypainting vor. Sie stellte die Frage, kann Bodypainting die Akzeptanz des eigenen Stomas unterstützen? Aus heutiger Sicht muss man diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten.

Je länger sich Norbert Schöttler mit dem Thema beschäftigte, um so mehr begeisterte ihn die Idee: „Mein Ansatz ist, durch Bodypainting negative Körpergefühle in positive zu verändern“. Negative Gefühle, die sich durch Krankheit und Operationen regelrecht eingebrannt haben.

Als Partnerin für sein Projekt konnte er Heike Montreal gewinnen. Die freiberuflich tätige Heilpädagogin, Kinderkrankenschwester und Künstlerin hatt bereits Erfahrung im therapeutischen Einsatz von Bodypainting. Das Thema Stoma war aber auch für sie absolutes Neuland.

“Reaktionen, die wir so nicht erwartet haben”

Und dann ist es soweit, zum ersten Mal trifft man sich mit einem Probanden. Der Bauch als Leinwand. Unter dem Pinsel verschwinden Narben hinter farbenfrohen Motiven. Nach und nach verwandelt sich die gesamte Fläche in ein lebensbejahendes Bild, bis selbst der Stomabeutel mit dem Körper zu einer Einheit verschmilzt. Ein ganz neues, einfach herrliches Bauchgefühl.

Schade, dass diese Kunstwerke nicht ewig halten. Zur Erinnerung erhielten alle drei Probanden am Ende des Projekts ein Fotoalbum, in dem dieses besondere Erlebnis Schritt für Schritt festgehalten wurde.

Sie wollen weiter machen, darin sind sich Norbert Schöttler und Heike Montreal einig. Unter dem Namen „Stomakunterbunt“ möchten sie ihre Bodypainting-Arbeit unter anderem auch in Selbsthilfegruppen vorstellen. Mehr zu Stomakunterbunt erfahren sie auf der Internetseite www.bodypainting-montreal.de und über unser Redaktionsteam.

*Anja-Ursula Dillmann ist Stomaträgerin und Autorin des Buches Stoma – na und?. Sie unterstützte als eine von drei Probanden das Projekt.

Zur Serie: Ein Stoma ist nichts, für das man sich schämen müsste – in mehreren Artikeln stellen wir Projekte von Betroffenen, Pflegeexperten und Herstellerunternehmen vor, die Stomaträgern mit Unterstützung durch Bilder und Kunst Mut machen.

Kategorie: Erfahrungsberichte, Stomatherapie

Pro Stomatherapeuten

03. Dezember 2010 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen in ihren Verträgen mit Leistungserbringern die Beschäftigung von Stomatherapeuten fordern. Das entschied das bayerische Landessozialgericht am vergangenen Dienstag und setzte damit ein deutliches Signal. Krankenkassen dürfen von ihren Vertragspartnern zusätzliche Mitarbeiter-Qualifizierungen für die Versorgung von Stomaträgern fordern, die über die gesetzlichen Vorgaben und die Bestimmungen des neuen Präqualifizierungsverfahrens hinaus gehen.

Abbildung Justizia

Ob Stomaberater, Stomatherapeut oder Pflegeexperte Stoma, eine geschützte Berufsbezeichnung gibt es nicht. Prinzipiell kann jeder als selbst erklärter Experte tätig werden, wenn er weiß wie man Platten und Beutel klebt. Was die Definition, aber vor allem die Umsetzung von Qualitätsstandards in der Stomatherapie schwer macht. Ein Dilemma auch für die Krankenkassen bei der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung der eigenen Versicherten.

Eine qualifizierte Anleitung und Betreuung von Stomaträgern beugt Komplikationen, Fehl- und Überversorgungen vor. Was sich am Ende für jede Krankenkasse rechnet. Die AOK Bayern fordert in ihrem Leistungsvertrag die Beschäftigung von Fachkräften mit Weiterbildung zum “Pflegeexperten Stoma+Inkontinenz+Wunde” nach den Kriterien des DVET/DBfK, eine Weiterbildung für Pflegekräfte mit mehr als 700 Unterrichtseinheiten und qualifizierter Abschlussprüfung.

Gegen diese Anforderung klagten mehrere Unternehmen. Zur fachlichen Leitung der Versorgung von Stomabetroffenen in einem Unternehmen sei die Berufsqualifikation des Meisters der Orthopädie-Technik völlig ausreichend, so die Kläger. Weitere personelle Qualitätsanforderungen dürften die Krankenkassen nicht stellen. Dieser Ansicht erteilte das Gericht eine klare Absage und wies die Klage im Berufungsverfahren ab. In erster Instanz hatte das Sozialgericht München bereits ähnlich entschieden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig und aufgrund der bundesweiten Bedeutung der Entscheidung besteht für die klagenden Unternehmen die Möglichkeit der Revision vor dem Bundessozialgericht (Az.: L 4 KR 200/09). Dennoch hat das Gericht der qualifizierten Weiterbildung in der Stomatherapie den Rücken gestärkt. Aus Sicht der Stomaträger eine positive Entscheidung, denn eine anerkannte Berufsqualifikation für Stomatherapeuten ist längst überfällig. Bereits im Jahr 2000 forderte die Deutsche ILCO e.V. den Gesetzgeber in ihrer “Leitlinie Stomaberatung” auf, Regelungen für eine Zertifizierung der Fachqualifikation zu schaffen.

Quellen: DVET Fachverband Stoma und Inkontinenz e.V., Leitlinie “Stomaberatung” der Deutschen ILCO e.V.
Bildquelle: Thorben Wengert / pixelio.de

Kategorie: Stomatherapie

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