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Erfahrungsaustausch zwischen Betroffenen im Internet – ist das wirklich Selbsthilfe?

Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ja, der Austausch zwischen Menschen mit chronischer Erkrankung, Behinderung oder einem anderen gemeinsamen Schicksal ist ein klassisches Feld der Selbsthilfe, das auch im Internet gelebt wird. Zu diesem Ergebnis kam die Fachtagung “Neue Medien – neue Selbsthilfe?” der NAKOS*, zu der am 23. November in Berlin rund 200 Aktive aus der Selbsthilfe mit Wissenschaftlern und Fachleuten zusammen trafen.

Tagung der NAKOS: neue Medien - neue Selbsthilfe?!

Das weltweite Netz ist bereits heute eine der meistgenutzten Quellen für gesundheitsbezogene Fragen. Neben kommerziellen Internetseiten ist auch die Selbsthilfe mit Information und Öffentlichkeitsarbeit im Netz zu finden. Dabei haben vor allem Angebote zum direkten Erfahrungsaustausch unter Betroffenen immer mehr Zulauf. Fast die Hälfte der bundesweiten Selbsthilfevereinigungen beitreibt bereits eigene Foren, Chats oder Blogs.

Trotzdem gibt es in der “klassischen” Selbsthilfe immer noch Vorbehalte gegenüber dem “virtuellen” Erfahrungsaustausch. “Im Netz nimmt mich niemand in den Arm.” oder “Am Ende suchen sie doch den persönlichen Kontakt.”, so die Einwände der kritischen Selbsthilfevertreter. Wogegen andere bereits selbst Erfahrung mit der virtuellen Selbsthilfe gesammelt haben und vom Nutzen überzeugt sind.

Schwarz-Weiß-Denken bringt die Selbsthilfe aber nicht weiter, im Gegenteil, es wirkt eher lähmend und fördert so die Entstehung weiterer Angebote im Internet, die von Betroffenen ohne Anbindung an die organisierte Selbsthilfe verantwortet werden. Denn dem einfachen Zugang und der gefühlten Anonymität folgt eine ganz neue Nachfrage nach Erfahrungsaustausch im Netz. Und das nicht nur bei seltenen Krankheiten oder Behinderungen. Stoma-Welt.de ist da nur ein Beispiel unter vielen.

Folgerichtig ist das Fazit der Tagung eine Aufforderung an die Selbsthilfe Brücken zu bauen. Denn virtuelle Selbsthilfe ist nicht nur eine Ergänzung, Bereicherung und Erneuerung, über diese Brücken können die Internet-Aktiven auch für die klassische Selbsthilfe erreicht und begeistert werden, um eine starke Solidargemeinschaft zu bilden, letztlich ein Gewinn für alle.

Um das zu erreichen ist es zum Einen notwendig gemeinsam Empfehlungen und nachvollziehbare Qualitätskriterien für die virtuelle Selbsthilfe zu entwickeln, vor allem in Bezug auf Datenschutz und Transparenz. Zum Anderen benötigen die im Netz eigenständig gewachsenen Selbsthilfeangebote Unterstützung, um die oft von Einzelpersonen mit viel Herzblut und finanziellem Aufwand betriebenen Angebote zu fördern und an die Gemeinschaft der organisierten Selbsthilfe heran zu führen.

* die NAKOS ist die Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung der Selbsthilfegruppen (www.nakos.de [1])

Quellen: Pressemitteilung der NAKOS zur Tagung „Neue Medien – neue Selbsthilfe?“ [2] & eigene Recherchen
Quelle der Abbildung: www.nakos.de [1]