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Ernährung nach einer Stomaanlage

Eines der am häufigsten diskutierten Themen unter Stomaträgern ist die Ernährung. Oft wird nach Tipps oder einer speziellen Diät gefragt. Eines gleich vorweg: eine Diät für Stomaträger gibt es nicht. Warum dies so ist und warum Stomaträger trotzdem oft über Nahrungsmittelunverträglichkeiten klagen, versuchen wir in dem folgenden Artikel zu klären.

Grundsätzlich gibt es nach der Anlage eines Stomas keine Einschränkungen in der Ernährung. Was vor der Operation vertragen wurde, wird auch danach vertragen. Ausnahmen sind Diäten, die aufgrund von Erkrankungen wie z.B. Diabetes oder nach der Entfernung großer Teile des Dünndarms eingehalten werden müssen.

Die nachfolgenden Empfehlungen beziehen sich in erster Linie auf Betroffene mit einem Colo- oder Ileostoma. Betroffene mit einem Urostoma sind selten in ihrer Ernährung eingeschränkt. Aber auch hier haben wir ein Kapitel mit Tipps für Urostomaträger aufgenommen, das sich vor allem mit dem Einfluss von Nahrungsmittel auf die Urinausscheidung beschäftigt.

Ernährungstipps bei einem Colostoma

Betroffene mit einem Colostoma können über die Ernährung gezielt ihre Ausscheidungen beeinflussen. So lassen sich z.B. durch die Vermeidung blähender Nahrungsmittel oder Getränke mit Kohlensäure oft als lästig empfundene Windabgänge eindämmen. Auch kann man auf Nahrungsmittel verzichten, die zu Verstopfung, Durchfall oder zu übel riechendem Stuhl führen. Einige Erfahrungen dazu haben wir euch hier zusammengestellt: Nahrungsmittel und ihre Wirkung [1]

Darüber hinaus kann bei einem Colostoma eine regelmäßige Stuhlentleerung durch regelmäßige Mahlzeiten erreicht werden. Es ist allerdings ein weit verbreiteter Irrtum, das nichts zu essen die Darmtätigkeit ausschaltet.

Eine weitere Möglichkeit die Stuhlentleerung zu steuern und Windabgänge zu vermeiden, ist die Irrigation.

Ernährungstipps bei einem Ileostoma

Direkt nach der Anlage eines Ileostomas sind die Ausscheidungen zuerst flüssig bis dünn breiig. Im Verlauf der ersten 8-12 Wochen nach der Operation bessert sich die Situation und der Stuhl wird fester. In dieser ersten Zeit treten häufig Reaktionen auf bestimmte Lebensmittel auf, die z.B. zu Durchfall führen.

Mit der Anlage eine Ileostomas, ist der Dickdarm „ausgeschaltet“ oder wurde sogar aufgrund einer schwerwiegenden Erkrankung ganz oder teilweise entfernt worden. Der Dickdarm ist ein Speicher, der dem Stuhl Wasser und Salze entzieht und dem Körper zurückgibt. Durch die breiige oder flüssige Ausscheidung des Ileostomas geht dieses Wasser verloren. Zum Ausgleich dieses Flüssigkeitsverlusts sollte dem Körper täglich so viel Flüssigkeit zugeführt werden, dass eine Urinausscheidung von 1-1,5 Litern pro Tag erreicht wird. Darüber hinaus sollten Träger eines Ileostoma ballaststoffreiche Kost generell meiden, da sie den Flüssigkeitsverlust erhöhen.

Anders als bei einem Colostoma lässt sich bei einem Ileostoma der Stuhlgang nur bedingt beeinflussen. Speisen, die erfahrungsgemäß Durchfall verursachen, sollte man vermeiden. Das Essen, Trinken und Rauchen führt zu eine reflexartigen Entleerung des Ileostoma.

Ernährungstipps bei einem Urostoma

Auch bei einem Urostoma ist es oberstes Gebot, ausreichend zu trinken. Wie man sein eigenes Trinkverhalten beeinflussen kann, haben wir in folgendem Artikel zusammengestellt: Tipps zum Trinkverhalten.

Einige Nahrungsmittel erzeugen einen unangenehmen Geruch des Urins oder wirken entwässernd. Beim Genuss dieser Lebensmittel sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass man zu und nach den Mahlzeiten ausreichend trinkt.

Darüber hinaus haben einige Lebensmittel Einfluss auf den pH-Wert des Urins:

ansäuernd wirken:

alkalisch wirken:

Einschränkungen in der Ernährung durch Verengungen und Verwachsungen

Wenn es aber grundsätzlich keine Einschränkungen bei der Ernährung nach einer Stomaanlage gibt, warum berichten dann so viele Betroffene über die Unverträglichkeit bestimmter Nahrungsmittel? Oft wird nach dem Verzehr einzelner Lebensmittel von Beschwerden wie Bauchschmerzen, Krämpfen, ausbleibender Stuhlentleerung oder sogar von Erbrechen berichtet. Ursache für diese Beschwerden sind typischerweise Verengungen (= Stenosen) an der Durchtrittstelle des Stoma am Bauch oder Verwachsungen, auch Briden oder Verklebungen genannt.

Eine Engstelle direkt am Stoma kann durch Narbenbildung entstehen. Verwachsungen sind ebenfalls Folgen der Bauchoperationen. Es handelt sich dabei um Gewebe, das sich im Bauchraum bildet um Gewebe- und Blutreste nach der Operation abzubauen. Dieses an sich hilfreiche Gewebe bildet sich aber nach getaner Arbeit nicht vollständig von selbst zurück und kann z.B. gegen den Darm drücken und dadurch dessen Beweglichkeit an einzelnen Stellen erheblich einschränken. Meist treten durch Verwachsungen verursachte Beschwerden bei Betroffenen mit einem Ileostoma auf. Bei einem Colostoma führen sie seltener zu Beschwerden.

Die Neigung zu diesen Verwachsungen ist bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt. Viele Betroffene bemerken ihre leicht ausgeprägten Verwachsungen nicht und haben auch keine Einschränkungen in ihrer Ernährung. Andere Betroffene leiden wiederum so stark unter den Verwachsungen, das sie in der Gestaltung ihres Speiseplans ganz erheblich eingeschränkt sind.

Schwer verdauliche Nahrungsmittel können sich bei vorhandenen Verwachsungen oder Stenosen an den Engstellen des Darms festsetzen und kolikartige Beschwerden bis hin zum Darmverschluss verursachen. Man spricht dann von einer Stomablockade.

Was tun, wenn es zu Beschwerden kommt? Die Beschwerden äußern sich vor allem in Bauchschmerzen und Krämpfen, zur gleichen Zeit erfolgt typischerweise keine Stuhlentleerung über das Ileo- oder Colostoma. Halten die Beschwerden mehr als zwei Stunden an oder steigern sich bis hin zum Erbrechen, ist ein Arzt aufzusuchen. Dieser kann mit Hilfe krampflösender Mittel oder einer Anspülung des Darms die Blockade lösen.

Wie findet man heraus, was man nicht verträgt? Gerade in den ersten Wochen nach der Operation machen sich einzelne Unverträglichkeiten bemerkbar. Vielen Betroffenen mit Ileo- oder Colostoma hat es geholfen, ein Ernährungstagebuch zu führen. Darin halten Sie fest was und wann sie gegessen haben, ebenso werden Beschwerden festgehalten. Man kann damit in sehr kurzer Zeit Unverträglichkeiten erkennen und seinen Speiseplan danach gestalten. Und auch wenn man ein Nahrungsmittel nicht verträgt, sollte man es einige Monate danach erneut probieren. Die wenigsten Nahrungsmittel werden dauerhaft nicht vertragen.

Zum Abschluss: Wie esse ich richtig?

Die Erfahrung zeigt, dass ein ganz wichtiger Punkt das eigene Essverhalten ist. Weniger das was, sondern das wie ich esse ist ausschlaggebend dafür, wie viele verschiedene Nahrungsmittel ich vertrage. Hier einige Tipps zum Essverhalten:

Erfahrungen vieler Stomaträger zeigen, das nach einer Umstellung der Essgewohnheiten vorhandene Beschwerden stark zurückgehen und bis auf wenige Ausnahmen fast alle Lebensmittel vertragen werden.