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Aus der Trickkiste: Stomaversorgung mit Wäscheklammern

03. Mai 2011 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Wäscheklammern und Stomaversorgung, was hat das eine mit dem anderen zu tun? Nein, wir hängen hoffentlich niemals ausgewaschenen Stomabeutel zum Trocknen an die Leine. Wäscheklammern sind aber in ganz anderen Fällen sehr praktisch.

Die meisten Stomaträger benutzen beim Versorgungswechsel kleine Müllbeutel. Dort hinein kommen der benutze Stomabeutel samt Platte und die verschmutzten Reinigungsutensilien. Nach der Versorgung wird der Müllbeutel einfach zu geknotet und dann ab damit in den Restmüll. Eine schnelle und saubere Lösung.

Abwurfbeutel sicher fixiert mit Wäscheklammern

In der Klinik wird uns bereits gezeigt, wie wir den Müllbeutel mit einer Seite der Öffnung so in die (Unter-)Hose stecken, dass der Müllbeutel bequem in das Waschbecken hängt. Weit geöffnet, so dass man die verbrauchte Versorgung schnell darin verstauen kann. Noch dazu eine guter Schutz zur Vermeidung von Putzaktionen, wenn das Stoma während dem Wechsel doch einmal spuckt. Was sonst im Stomabeutel landet, läuft in diesem Moment einfach in den Müllbeutel hinein und wird gleich mit entsorgt.

Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Der eine ist größer, der andere kleiner und der Müllbeutel hängt mal zu hoch und mal zu tief. Aber nicht in jedem Fall so sicher im Hosenbund, das er nicht wegrutschen kann. Hier kommen die Wäscheklammern ins Spiel. Den Müllbeutel mit zwei Wäschklammern am Hosenbund fixiert und schon hält alles so sicher, das man sich sogar mit samt dem Müllbeutel frei im Bad bewegen kann.

Wäschklammern für unterwegs

Hände frei dank Wäscheklammer

Gerade wenn man nicht zu Hause ist und ein Beutelwechsel notwendig wird, kann man selten den Oberkörper soweit frei machen, das man volle Bewegungsfreiheit hat. Also zieht man den Pullover, das Hemd oder Unterhemd nach oben, klemmt sie sich irgendwie unter den Arm und versucht dann doch recht umständlich den Beutel sauber zu wechseln und gleichzeitig die Oberbekleidung aus dem Aktionsfeld heraus zu halten.

Auch hier hilft der Einsatz einer Wäscheklammer. Das Unterhemd locker nach oben geschlagen und mit einer Wäscheklammer am Hemd oder Pullover auf Brusthöhe fixiert, schon hat man volle Bewegungsfreiheit. Funktioniert natürlich auch beim Beutelwechsel oder -leeren zu Hause.

Kategorie: Erfahrungsberichte

Stomaträger und Rekord-Bergsteiger

31. Januar 2011 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Dem Extremsportler Rob Hill gelang im vergangenen Jahr der „Seven Summit“, die Besteigung des jeweils höchsten Berges aller sieben Kontinente. Das er selbst Stomaträger ist, war für ihn kein Hindernis.

Rob Hill, Stomaträger und Bergsteiger

Das Jahr 1994 brachte dem damals 23-jährigen Rob Hill den größten Einschnitt in seinem Leben. Bis zu diesem Zeitpunkt war der Freizeit-Athlet und Marathonläufer nie ernsthaft krank. Doch plötzlich plagten ihn starke Schmerzen und immer wieder Durchfälle. Die Diagnose: Morbus Crohn. Eine chronische Erkrankung, die sich vor allem im Dünndarm austobt.

Rob verlor immer mehr an Gewicht, wog zuletzt nur noch 53kg. Der Crohn hatte ihn voll im Griff. Nach eineinhalb Jahren Krankheit war klar, sein Dickdarm ist zu stark entzündet um mit Medikamenten ausreichend helfen zu können. Der entzündete Darm muss entfernt werden. Seitdem lebt Rob mit einem Ileostoma.

Bereits kurz nach seiner Operation startete der Kanadier bei einem Marathonlauf. Bemerkenswert wenn man bedenkt, das er noch wenige Monate zuvor durch seine Erkrankung zu geschwächt war um die Treppe in seinem eigenen Haus alleine nach oben zu gehen. Zurück zu seiner alten Stärke und Fitness zu finden, das wurde für ihn zur ganz persönlichen Herausforderung.

Seven Summits

Die sieben Gipfel aller Kontinente zu besteigen gilt als besondere Herausforderung. Seit der Veröffentlichung der Liste der „Seven Summits“ in den frühen 80′er Jahren ist dieser Rekord bisher weniger als 250 Bergsteigern gelungen. Als Rob Hill den Mount Everest bestieg, für ihn der letzte der sieben Gipfel auf seiner Liste, war er einer von nur 15 Kanadiern, die diese Herausforderung überhaupt schafften. Und er stand auf dem Dach der Welt als der erste Stomaträger, der diese enorme Leistung vollbrachte.

Rob stellt sich den höchsten Bergen der Welt nicht ohne Grund. Mit seinen sportlichen Erfolgen möchte er auf die Situation von Stomaträgern und Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) aufmerksam machen. Er gründete die Organisation IDEAS, die sich mit Informationskampagnen und Aufklärungsarbeit für Betroffene in Kanada einsetzt. Derzeit unterstützt die Organisation drei junge an CED erkrankte Frauen auf ihrer Trekking-Tour durch Südamerika, deren Erlebnisse online und als Film veröffentlicht werden. Eine Aktion, die gerade jungen Betroffenen Mut machen soll.

Robs Gipfelbesteigungen – Chronologie

  • Juni 2002, Elbrus, 5.642m, Rußland/Georgien, Europa
  • Oktober 2003, Kibo, 5.895m, Tansania, Afrika
  • Januar 2004, Aconcagua, 6.962m, Argentinien, Südamerika
  • Juni 2005, Denali/McKinley, 6.194m, Alaska, North America
  • Januar 2006, Vinson Massiv, 4.892m, Antarktis
  • April 2007, Carstensz-Pyramiden, 4.884m, Indonesien, Ozeanien
  • Mai 2010, Mount Everest, 8.848m, an der Grenze von Nepal und Tibet, Asien

Quellen: IOABlog (bei Veröffentlichung offline), nogutsknowglory.com/
Bildquelle: nogutsknowglory.com/

Kategorie: Erfahrungsberichte, Stomaträger helfen Stomaträgern

Ein herrliches Bauchgefühl

13. Dezember 2010 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Zweiter Teil unserer Serie “Stoma in Bildern”

„Zuerst fühlte ich nur ein dumpfes Streichen auf der Operationsnarbe, dann wurde die Berührung immer intensiver. All die schmerzliche Erinnerung, all das Leid, das mein Bauch erfahren hatte, wurde regelrecht übermalt!“

Was war passiert? Anja* kommt gut klar mit ihrer Erkrankung und ihrem Stoma. Trotzdem ist sie völlig gebannt von dem, was sie gerade erlebte. Sie ist eine von drei Betroffenen, die mit Bodypainting ihren Bauch bemalen ließen.

Stoma & Bodypainting

Stomakunterbunt

Als Norbert Schöttler am Universitätsklinikum Münster für seine Abschlussarbeit in der Weiterbildung zum Pflegeexperten Stoma, Wunde und Inkontinenz auf Themensuche war, schlug ihm die international bekannte Stomatherapeutin Christel Ravenschlag († 2010) das Thema Stoma und Bodypainting vor. Sie stellte die Frage, kann Bodypainting die Akzeptanz des eigenen Stomas unterstützen? Aus heutiger Sicht muss man diese Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten.

Je länger sich Norbert Schöttler mit dem Thema beschäftigte, um so mehr begeisterte ihn die Idee: „Mein Ansatz ist, durch Bodypainting negative Körpergefühle in positive zu verändern“. Negative Gefühle, die sich durch Krankheit und Operationen regelrecht eingebrannt haben.

Als Partnerin für sein Projekt konnte er Heike Montreal gewinnen. Die freiberuflich tätige Heilpädagogin, Kinderkrankenschwester und Künstlerin hatt bereits Erfahrung im therapeutischen Einsatz von Bodypainting. Das Thema Stoma war aber auch für sie absolutes Neuland.

“Reaktionen, die wir so nicht erwartet haben”

Und dann ist es soweit, zum ersten Mal trifft man sich mit einem Probanden. Der Bauch als Leinwand. Unter dem Pinsel verschwinden Narben hinter farbenfrohen Motiven. Nach und nach verwandelt sich die gesamte Fläche in ein lebensbejahendes Bild, bis selbst der Stomabeutel mit dem Körper zu einer Einheit verschmilzt. Ein ganz neues, einfach herrliches Bauchgefühl.

Schade, dass diese Kunstwerke nicht ewig halten. Zur Erinnerung erhielten alle drei Probanden am Ende des Projekts ein Fotoalbum, in dem dieses besondere Erlebnis Schritt für Schritt festgehalten wurde.

Sie wollen weiter machen, darin sind sich Norbert Schöttler und Heike Montreal einig. Unter dem Namen „Stomakunterbunt“ möchten sie ihre Bodypainting-Arbeit unter anderem auch in Selbsthilfegruppen vorstellen. Mehr zu Stomakunterbunt erfahren sie auf der Internetseite www.bodypainting-montreal.de und über unser Redaktionsteam.

*Anja-Ursula Dillmann ist Stomaträgerin und Autorin des Buches Stoma – na und?. Sie unterstützte als eine von drei Probanden das Projekt.

Zur Serie: Ein Stoma ist nichts, für das man sich schämen müsste – in mehreren Artikeln stellen wir Projekte von Betroffenen, Pflegeexperten und Herstellerunternehmen vor, die Stomaträgern mit Unterstützung durch Bilder und Kunst Mut machen.

Kategorie: Erfahrungsberichte, Pflegeexperten Stoma

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