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Und sie kommen doch…

Anfang 2010 standen Stomaträger plötzlich bundesweit im Fokus. Die Diskussion um die Einführung der Körperscanner an Flughäfen ging durch alle Medien und der künstliche Darmausgang wurde von Kritikern als Argument [1] gegen die neuen Sicherheitstechnik ins Feld geführt. Und tatsächlich befürchteten viele Stomaträger, sich mit der Einführung der Scanner bei Kontrollen gegenüber Fremden erklären zu müssen. Nach einem in 2011 gescheiterten Feldversuch am Flughafen Hamburg werden Körperscanner jetzt an Flughäfen in ganz Deutschland eingeführt.

Ansicht einer Anzeige des Körperscanners

Schrittweise kommen die Geräte – still und leise und ohne ein Medien-Echo wie noch vor vier Jahren. Erst durch einen Bericht des Tagesspiegel [2] vom vergangenen Freitag kommt die Diskussion langsam wieder ins Rollen. Ob Körperscanner tatsächlich für mehr Sicherheit sorgen bleibt umstritten, dass die neue Sicherheitstechnik dennoch kommt war absehbar. Mit ein Grund könnte die erwartete Reduzierung der Nachkontrollen sein, also dem Abtasten durch einen Sicherheits-Mitarbeiter.

Bei den bisherigen Kontrollen an Flughäfen werden Stomaträger nur selten erkannt. Die Detektoren, durch die man hindurch gehen muss, registrieren den Stoma-Beutel am Bauch nicht und auch beim Abtasten durch die Mitarbeiter an den Sicherheitskontrollen wird er nur selten bemerkt.

Anders ist dies beim Einsatz der Körperscanner. Auf einem Monitor markiert ein farbiges Quadrat an einem Piktogramm zuverlässig die genaue Position des Stoma-Beutels. Gibt das Gerät einen Alarm, folgt das Abtasten und der erste Griff des Sicherheitspersonals geht direkt an die markierte Stelle. Spätestens jetzt muss man sich erklären. Dabei war bei einem Selbstversuch in 2010 [3] offensichtlich, dass die Sicherheits-Mitarbeiter nicht auf solch sensible Situationen vorbereitet waren.

Dieses ungewollte „Outing“ ist es, wovor sich ein Teil der Stomaträger fürchtet. Für sie ist ihr Handicap eine intime Angelegenheit, von der manchmal nur der eigene Partner weiß. Plötzlich gezwungen zu sein, sich einem Fremden erklären zu müssen, ist für sie eine erhebliche psychische Belastung.

Trotz aller Kritik hat die Bundespolizei bereits im Jahr 2013 an vier Flughäfen 88.649 Fluggäste mit Körperscannern kontrolliert1 [4]. Eingesetzt wurden die Geräte bislang nur bei den vorgeschriebenen Zweitkontrollen vor Flügen in die USA oder Israel. Laut Tagesspiegel sind bereits weitere Körperscanner für Flughäfen in ganz Deutschland bestellt, dann für alle Fluggäste. Ein Teil der Scanner wird noch in diesem Jahr in Düsseldorf, Stuttgart und am Flughafen Köln/Bonn installiert.

Wie Spiegel ONLINE [5] berichtet, soll die Nutzung laut einem Sprecher des Bundesinnenministeriums weiter freiwillig sein. Wer will kann sich also wie bei dem vorangegangenen Feldversuch nach dem Gang durch den Metalldetektor einer Leibesvisitation durch die Sicherheitskräfte unterziehen.

Erste Erfahrungen mit Körperscannern im Ausland

Erste Rückmeldungen nach USA-Reisen vermitteln einen Eindruck von den ganz praktischen Auswirkungen der neuen Sicherheitskontrollen. Jeder Passagier wird bei der Einreise in die USA durch einen Körperscanner kontrolliert. Darunter nicht wenige, die ein zunächst nicht offensichtliches medizinischen Hilfsmittel am Körper tragen, auch Urinbeutel, Inkontinenz-Windeln oder eben Stoma-Beutel.

Daran scheint sich das Sicherheitspersonal aber schnell gewöhnt zu haben, denn das nachfolgende Abtasten verläuft häufig ganz unkompliziert und zügig. Mit einem kurzen Griff in die Richtung des Stomabeutels und der noch kürzeren Erklärung durch den Betroffenen („It’s an Ostomy-Bag“) ist es meist schon getan. Rücksicht auf die Privatsphäre wird dabei aber nicht immer genommen, ein kurzes Abtasten findet durchaus auch vor allen anderen Mitreisenden statt.

Quellen: 1Jahresbericht der Bundespolizei – Seite 74, http://www.bundespolizei.de/DE/00Aktuelles/_News/2014/08/140814_jahresbericht_file.pdf?__blob=publicationFile, abgerufen am 4.11.2014
Alle weiteren Quellen sind direkt im Text verlinkt.
Bildquelle: Bundesministerium des Innern, Ansicht einer Anzeige des Bodyscanners