Nackt bis auf den Beutel

01. Februar 2010 · Autor: CL · Druckversion Druckversion

Ein Tabuthema hat es in die öffentliche Diskussion geschafft: der künstliche Darmausgang. Allerdings nicht im Rahmen einer Aufklärungskampagne, was sich mancher Stomaträger durchaus wünschen würde, sondern als Argument gegen Körperscanner an deutschen Flughäfen.

Nachdem der damalige deutsche Innenminister Schäuble noch in 2008 den dienstlich verordneten Voyeurismus an Flughäfen strikt ablehnte, wurde aus dem Nacktscanner, der viele intime Details preisgab, ein Körperscanner. Der Körperscanner stellt nur noch schematische Umrisse einer Person da, zeigt aber am Körper getragene Gegenstände. Damit soll der Vorwurf der Peep-Show aus der Welt geschafft und eine breite Akzeptanz der neuen Sicherheitsmaßnahme in der Bevölkerung erreicht werden.

Ethisch bedenklich bleibt der Körperscanner aber nach wie vor. Das gilt für Menschen mit einem künstlichen Darmausgang, einem Urinbeutel oder einer Inkontinenz-Windel in besonderem Maße, aber auch für Menschen mit anderen versteckten Behinderungen. Betroffen von einer gesellschaftlich weitgehend tabuisierten Behinderung kann es eine erhebliche psychische Belastung sein, sich aufgrund des Körperscanners plötzlich Fremden gegenüber erklären zu müssen.

Aber was sagen Stomaträger selbst zum Thema? Eine Diskussion über Körperscanner war im Januar eines der Top-Themen im Stoma-Forum. Der Tenor der Diskussion ist aber nicht so eindeutig, wie man vielleicht erwarten würde. Gegner und Befürworter halten sich in etwa die Waage.

Auf Ablehnung stoßen die Scanner tatsächlich wegen des erwarteten Eingriffs in die Privat- und Intimsphäre und des damit verbundenen „Outings“ gegenüber anderen. Auch die noch unklaren Regelungen zum Datenschutz und die Frage ob die Bilder gespeichert und ob und wie sie weiter verwendet werden führt zu deutlicher Ablehnung. Die Angst vor einer vermeintlichen Strahlenbelastung wurde ebenfalls genannt. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele Betroffene durch notwendige medizinische Behandlungen in der Vergangenheit bereits einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt waren. Wie weit die Ablehnung insgesamt reicht zeigt sich daran, dass einzelne Stomaträger schon jetzt ankündigen künftig auf Flugreisen zu verzichten.

Die Befürworter unter den Stomaträgern stellen ihre eigenen Befindlichkeiten zurück. Ihnen geht ihre und die Sicherheit der anderen Fluggäste vor. Einige erwarten mit der Einführung der Körperscanner sogar eine Verbesserung gegenüber heute, das Abtastens durch das Sicherheitspersonal empfinden sie als weit unangenehmer. Angst vor einem Missbrauch der aufgenommen Bilder haben die Befürworter kaum. Im Gegenteil wird eher in Frage gestellt, ob es einen wirksamen Schutz der persönlichen Daten heute überhaupt noch gibt. Egal in welchem Bereich.

Im Sommer soll über den tatsächlichen Einsatz der Körperscanner an deutschen Flughäfen entschieden werden. Dann liegen auch erste praktische Erfahrungen aus laufenden Tests der letzten Generation der Körperscanner durch die Bundespolizei in Lübeck vor. Und die Diskussion wird weiter gehen.

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