Patienten mit Inkontinenz richtig versorgen

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06.04.2013

Menschen mit Inkontinenz oder künstlichem Darmausgang leiden oft unter sozialer Isolation. Vier angehende Pflegeexpertinnen, die sich in Dornstadt weiterbilden, berichten von ihren Erfahrungen.

Inkontinenz ist ein Thema über das nur selten jemand offen spricht. Diese Erfahrung haben Heidi Schneider, Elke Adam, Alexandra Keuthen und Heidrun Srp-Auer in ihrem Berufsleben schon oft gemacht. Die vier Frauen lassen sich derzeit mit acht weiteren Kollegen zu Pflegeexpertinnen für Stoma, Inkontinenz und Wunde am Diakonischen Institut in Dornstadt weiterbilden. In ihrer Projektarbeit haben sie sich dem Tabuthema angenommen: Vor einer Woche ließen sie 200 gelbe Luftballons auf dem Münsterplatz steigen, um auf die Krankheit und den Umgang damit aufmerksam zu machen.

Denn die Ängste von Betroffenen, wegen ihres Leidens unangenehm aufzufallen, sind groß. Dabei betrifft das Thema Inkontinenz nicht nur alte Menschen. Die 34-jährige Krankenschwester Alexandra Keuthen weiß aus Erfahrung: "Nach Prostata-Operationen leiden Männer in 70 Prozent der Fälle darunter." Junge Frauen können nach der Geburt eines Kindes Probleme bekommen. "Es kann zum wahnsinnigen Leidensdruck werden, wenn man das Wasser nicht mehr halten kann", sagt Keuthen. In solchen Fällen ist regelmäßige Beckenbodengymnastik sinnvoll. Eine Operation wird nur empfohlen, wenn alles andere nicht mehr hilft.

Acht Millionen Menschen leiden in Deutschland unter Inkontinenz, wozu Harn- sowie Stuhlinkontinenz gehört. "Mit Dunkelziffer wird die Zahl aber noch höher geschätzt", sagt Keuthen. "Die Hemmschwelle, ihr Leiden offen anzusprechen, scheint für viele unüberwindbar", meint Heidi Schneider, die die Idee für die Projektarbeit hatte. Die 52-jährige Krankenschwester aus Nagold arbeitet wie ihre drei Kolleginnen im Bereich "Homecare". Heidi Schneider und Heidrun Srp-Auer sind bei Sanitätshäusern, Elke Adam und Alexandra Keuthen bei Krankenhäusern angestellt. Zu ihren Aufgaben gehört es, Patienten, die aus der Klinik entlassen wurden, zuhause mit entsprechendem Pflegematerial zu versorgen und sie im Umgang damit anzuleiten.

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