Abenteuer Schwimmnudel

04. August 2014 · Autor: Miriam · Druckversion Druckversion

Nach einer Not-Operation lebt Miriams Großvater mit einem Colostoma. Mit Unterstützung seiner Enkelin besuchte er zum ersten Mal seit seiner langen Zeit im Krankenhaus ein Schwimmbad. Miriam berichtet von ihrem gemeinsamen Abenteuer.

Foto: Miriams Großeltern an ihrem 50. Hochzeitstag

Mein Name ist Miriam (23) und im Sommer beginnt meine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Meine Oma Maria und meinen Opa Heinrich sehe ich täglich, auch wenn wir nicht zusammen wohnen. Neben dem Pflegedienst und den Ergotherapeuten, die jeweils 1 mal die Woche zu ihnen kommen, helfe ich beim Duschen oder beim Wechseln der Stomaversorgung. Meine Mutter und ich teilen uns die anfallenden Arbeiten wie Einkaufen, Hausarbeit und auch die Begleitung zum Haus- und Facharzt. Dieses Jahr feierten meine Großeltern ihren 50. Hochzeitstag.

So gerne wollte ich mit Opa Heinrich zum Schwimmbad, leider gab es große Bedenken von meiner Mutter und Großmutter. Die Angst davor meinen Großvater Heinrich (77) wieder im Krankenhaus zu sehen war sehr groß. Er hatte sich nach einer Not-OP und dreimonatigem Koma wieder ins Leben zurück gekämpft. Das letzte Drittel des Dickdarms wurde ihm entfernt und seitdem ist er auf einen künstlichen Darmausgang angewiesen. Nach 10 Jahre, die er schon nicht mehr schwimmen war, merkte ich doch, dass er sich nach einem kleinen Abenteuer sehnte. So machten wir uns auf ins Schwimmbad.

Foto: Miriams Opa auf dem Weg zum Schwimmbad

Solch ein Tag erfordert gewisse Vorbereitungen, und dabei meine ich nicht das Packen der Badetasche! Der Rollstuhl muss bereit stehen und natürlich sein Stoma entsprechend vorbereitet werden. Wir nennen seinen kleinen Begleiter liebevoll „Aujust“, weil er ein Teil des neuen Lebens meines Opas ist. Aujust braucht vor dem Schwimmen eine Sonderbehandlung, damit auch alles hält.

Damit die Platte einen zusätzlichen Halt hat, befestigten wir um die Stomaplatte herum atmungsaktive Pflaster. Den Ausstreifbeutel tauschte ich gegen einen geschlossenen kleineren Beutel aus. Mein Opa kann sich leider nicht auf seine Verdauung verlassen und kann daher keine Schwimmkappe zur Abdeckung des Stomas benutzen.

Nach dem wir uns umgezogen und die Versorgung gerichtet hatten, fuhr ich meinen Opa zum Rand des Schwimmbeckens. Die wenigen Stufen kann er mit Hilfe eines Geländers langsam aber gut bewältigen. Für mehr Sicherheit im Wasser legte ich ihm eine Schwimmnudel unter die Arme.

Foto: Miriam und ihr Opa im Schwimmbad

Auch wenn er anfangs noch etwas unsicher war und auch bestimmt etwas Angst hatte, konnte er das sehr schnell ablegen. Ich merkte wie froh er war und wie sehr er es genoss im Wasser zu sein und ich war froh, dass ich diesen Schritt mit ihm gewagt habe.

Auch wenn das Anziehen und die Heimfahrt etwas anstrengend für uns waren, hat sich jeder Augenblick gelohnt. Wir werden noch sehr lange an diesen tollen Tag denken und es folgen bestimmt noch viele weitere Schwimmbadbesuche.

Mit diesem Artikel möchten wir anderen Mut machen auch im hohen Alter und mit Stoma-Handicap an alltäglichen Aktivitäten mit Freude und Spaß teil zu haben.

Liebe Grüße von Heinrich und Miriam, sowie Stoma-„Aujust“

Kategorie: Erfahrungsberichte

 

 

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