Rückverlegung – Die dritte Brust ist weg!

20. Dezember 2014 · Autor: Erika · Druckversion Druckversion

Ein Darmverschluss brachte Erika ein Stoma und eine unerwartete Diagnose. Nach einigem Auf und Ab kam sie gut mit dem Beutel am Bauch zurecht. Ihr Mann unterstütze sie dabei. Heute ist Erika zurückverlegt und hat kein Stoma mehr.

Alles begann am 14 März 2013 mit einer Not-OP wegen eines Darmverschluss. Mein Dickdarm war durch den Verschluss stark angeschwollen. Um den Darm zu entlasten bekam ich ein doppelläufiges Dünndarm-Stoma, das später wieder zurück verlegt werden sollte. Aber das war noch nicht alles, während der Operation entdeckten die Ärzte einen 3,5 cm großen Tumor im Dickdarm. Und das war Glück im Unglück, denn bis dato hatten weder ich noch die Ärzte den Tumor bemerkt.
Doch vier Tage später musste ich erneut operiert werden, am Stoma hatte sich eine Entzündung gebildet. Das Dünndarm-Stoma wurde wieder zurück verlegt und gleichzeitig entfernten die Ärzte 50 cm vom absteigende Ast des Dickdarms. Dort befand sich der Tumor.

Foto: Erika am Strand von Büsum

Zuerst schien alles in Ordnung, leider blieb es aber nicht so. Wieder vier Tage später befand sich plötzlich Stuhlgang in der Wund-Drainage. Die Naht im Darm war undicht und es musste so schnell wie möglich eine dritte Operation durchgeführt werden. Bei dieser OP wurde mir ein Dickdarm-Stoma verpasst, nach Hartmann, also endständig. Mittlerweile wurde mir auch das Ergebnis der Untersuchung des Tumors mitgeteilt, er war bösartig. Aber laut den Ärzten hatte der Tumor nicht gestreut und ich bräuchte keine Chemo, was für mich wie eine zweite Geburt war.

Enttäuschung in der AHB

Im Krankenhaus wurde bereits eine Anschlußheilbehandlung (AHB) beantragt, die ich 14 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus antrat, total schwach und 14 kg leichter. Es war schon enttäuschend, das ich in den ersten beiden Wochen der Reha fünf verschiedene Ärzte hatte und jedem Arzt immer wieder das gleiche erzählen musste, aber irgendwie eine Hilfe vermisste. Kleines Beispiel: Als ich um eine psychologische Hilfe bat, um mein erlebtes Trauma zu verarbeiten, wurde mir gesagt, dass ich dies zu Hause tun solle. Und das obwohl ich drei Operationen innerhalb von nur acht Tagen hatte… also wieder alleine mit meinen Sorgen und Ängsten! In der zweiten Woche der Reha wurde ich auch noch krank und durch den heftigen Hustenreiz bildete sich an meinem Stoma eine Hernie (Bruch).

Nach vier Wochen Reha und wenig Therapie kam ich wieder nach Hause. Mit Hilfe meiner Stomatherapeutin Rosi lernte mein Mann, wie er mich beim Plattenwechsel unterstützen kann, da ich mit einer Hand und Spiegel das Teil immer verschoben habe. Damit die Basisplatte perfekt auf der Haut haftete, musste sie immer mit der Handfläche angewärmt werden. Dafür kniete mein Mann vor mir, legte die linke Hand auf die Stoma-Versorgung auf meinen Bauch und die rechte Hand als Gegendruck auf meinen Po. Das war ab jetzt unser Ritual.

Meine Hernie am Stoma wurde etwas schlimmer und stand jetzt wie eine große Beule vom Bauch raus. Als mein Mann irgendwann wieder einmal die Versorgung des Stomas durchführte und seine Hand zum Anwärmen der Platte auf meinen Bauch legte, sagte er ganz trocken „Ist ja cool, jetzt hast Du eine dritte Brust.“ Wir mussten beide so lachen. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich eine dritte Brust. Spaß muss sein, denn sonst kann so mancher ein Stoma nicht akzeptieren.

Im August 2013 wurde in einer Klinik in Wiesbaden eine Darmspiegelung zur Kontrolle durchgeführt… es war Gott sei Dank alles in Ordnung. Ich habe mich vom Arzt der Klinik über die Rückverlegung aufklären lassen und wie diese durchgeführt wird. Denn durch meine Ängste aus den vorhergegangenen OP’s war ich immer noch stark verunsichert und traumatisiert. Obwohl ich mittlerweile in psychologischer Behandlung war, um diese Ängste und das Trauma verarbeiten zu können.

Mein Weg zur Rückverlegung

Mein Arzt hat mir ausführlich erklärt wie ein Stoma mit Hartmannstumpf wieder, wie er sich so schön ausdrückte, „unter Putz“ gelegt wird. Es muss wieder der Bauchraum geöffnet werden. Dies könnte schon in den nächsten zwei Wochen durchgeführt werde, da ein anderer Patient abgesagt hätte. Das habe ich aber abgelehnt, da meine Angst immer noch größer war als alles andere. Der Arzt hatte volles Verständnis für meine Reaktion und meinte ich solle positiv in die erneute OP heran gehen. Das war so richtig Balsam für meine Seele. Also sind wir erst mal nach Absprache mit unserem Arzt und der Krankenkasse für zwei Wochen nach Büsum an der Nordsee in den Urlaub gefahren, wo ich alle Sorgen und Ängste in der Nordsee, bei Flut, ertränkt habe. Das war so richtig gut!

Foto: Erikas Mann und ihr gemeinsame Hund

Wieder zu Hause habe ich mit meinem Mann die Gespräche in der Stomagruppe besucht. Unsere Frage, ob jemand Erfahrung über eine Rückverlegung eines Stomas mit Hartmann-Stumpf hätte, konnte leider nicht beantwortet werden. Selbst im Internet habe ich nichts gefunden.

Immer wieder habe ich überlegt, ob ich eine Rückverlegung durchführen sollte oder nicht. Das Stoma funktionierte ja einwandfrei und ich kam damit gut zurecht. Es war eine schwere Zeit. Mein Mann hat immer wieder gesagt: „Egal wie Du Dich entscheidest, so ist es in Ordnung. Ich akzeptiere jede Entscheidung von Dir.“ Da war ich wirklich froh darüber, weil wir mittlerweile viele Leute kennengelernt hatten, die nicht von Ihren Partnern unterstützt wurden.

Im Januar 2014 hatte ich mir nochmals einen Beratungstermin in Wiesbaden geben lassen, da ich noch einige offene Fragen hatte. Als diese geklärt waren hat mich anscheinend der Teufel geritten und ich habe mir im Sekretariat einen Rückverlegungs-Termin für den neunten April geben lassen. Diesen OP-Termin könnte ich auch noch einen Tag vorher absagen, wurde mir als Information mitgegeben. Diesen Druck hatte ich also auch nicht, falls ich mich doch noch gegen eine OP entscheiden würde. Das war für mich eine große Erleichterung. Als ich das meinem Mann erzählte war er erst einmal völlig geschockt und sagte dann spontan „Wieder Ängste aushalten.“ Damit waren wir mal wieder zu zweit.

Ganz mutig bin ich am achten April in die Klinik gegangen. Abends kam nochmals der operierende Arzt zu mir und erklärte alle Schritte der Operation. Der Bruch würde auch gleich mit erledigt und für die OP waren viereinhalb Stunden angesetzt. Am nächsten Tag kam ich dann in den Vorbereitungsraum, wo die Ärzte auch auf meine Wünsche der Lagerung der steifen Schulter (Frozen Shoulder) total eingegangen sind, das war richtig super.

Die OP dauerte dann mit sechs Stunden doch etwas länger. Danach kam ich dann auf die Intensivstation, wo mein Mann mich nach dem aufwachen auch gleich besuchen konnte. Nach einer Weile sagte er nur: „Jetzt ist die dritte Brust wieder weg….“ Auch der operierende Arzt war an diesem Abend nochmals bei mir und sagte, dass jetzt wieder alles unter Putz liegen würde und die OP erfolgreich verlaufen ist.

Mit dem Krankenhaus in Wiesbaden, Ärzten, Personal, Betreuung usw. war ich sehr, sehr zufrieden und kann dieses Krankenhaus nur empfehlen. Außerdem bin ich sehr dankbar, dass ich den Tipp für dieses Krankenhaus von Freunden, Bekannten und meiner Stomatherapeutin bekommen habe. Aber vor allem meinem Mann bin ich dankbar, dass er von Anfang bis zum Ende bei mir war und mich unterstützt hat. Ein großes Danke!

Wieder zu Hause ging ich am zweiten Mai in die AHB, die vom Krankenhaus gleich beantragt wurde. Leider bin ich in der Reha nur als „Morbus Crohn“-Patient, gesehen worden und nicht als „Stoma-Rückverlegungs“-Patient. Durch die Rückverlegung sind natürlich die üblichen Probleme aufgetreten, z.B. wunder Po, viele Toilettengänge, bis zu 15 mal täglich/nächtlich, da sich ja jetzt erst mal wieder alles einregulieren muss. Das dies über einen längeren Zeitraum geht, darüber war ich ja informiert. Aber wie sagt man so schön: „Da müssen wir durch!“

An dieser Stelle möchte ich mich nochmals sehr herzlich bei allen bedanken, die mich auf diesem Weg unterstützt haben, danke, danke, danke!

Kategorie: Erfahrungsberichte

 

 

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