Vom Schicksal gebeutelt, Teil 1
04. Mai 2008 · Autor: Erika ·
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Erfahrungsbericht einer Ileostomieträgerin
Mein heiteres Naturell verhalf mir dazu, mich immer wieder mit meinem Schicksal zu versöhnen, obwohl es mir im Laufe meiner 80 Lebensjahre einiges an körperlich – seelisch – geistiger Kraft abverlangte. Abgesehen davon, dass ich mich von Kindesbeinen an durch ein arbeitsreiches Leben voller Entbehrungen und Enttäuschungen kämpfen musste, erkrankte ich in den Kriegs- und Nachkriegsjahren an Typhus, Scharlach, Diphtherie, Myokarditis und diversen Pneumonien. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte wurde ich insgesamt zwölf mal operiert. Chemotherapie infolge einer Darmkrebserkrankung und Colonresektion mit Anlage eines Ileostomas sind hierzu nur zwei Beispiele. Dass ich noch am Leben bin, grenzt an ein Wunder. Ich denke, dass mir in erster Linie meine optimistische und religiöse Lebenseinstellung dazu verhalf immer wieder auf die Beine zu kommen und mein Leben trotz aller Erschwernisse zu meistern.
Es gab allerdings Zeiten, in denen ich meine Lage häufiger mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge betrachtete. Dies galt vor allem für das erste Jahr nach Anlage des Ileostomas, währenddessen mein Stoma nekrotisierte, sodass eine Neuimplantation notwendig wurde. Aber mittlerweile bin ich soweit, dass ich mein Leben trotz der krankheitsbedingten Einschränkungen rundum bejahe.
Hassliebe
Der Ileostoma-Ausstreifbeutel entscheidet über mein Wohl und Wehe. Er gestattet mir das Zusammensein mit anderen Menschen. Mit diesem Beutel, der rund um die Uhr wie eine Klette an mir hängt, verbindet mich eine Art Hassliebe, denn er vermittelt mir Sicherheit und Unsicherheit zugleich. Er stellte für mich gerade in der Anfangszeit eine psychische Belastung dar, doch ohne ihn hätte ich mein Leben nicht mehr ertragen können. Er war und ist gewissermaßen das kleinere Übel in meiner mehr oder weniger misslichen Situation.
Einige Leute, die von meinem Ileostoma erfahren haben, verhielten sich mir gegenüber höchst unfreundlich und gedankenlos. Eine Frau forderte mich auf, von ihr abzurücken, damit sie sich nicht „versaue“. Eine andere konstatierte, dass ich doch gar nicht so stinken würde, wie man es sich als Laie vorstelle. Diese und einige andere unbedachte Äußerungen waren für mich wie ein Schlag ins Gesicht.
Oft hatte ich vor Verzweiflung geweint und gerade in den ersten Monaten nach der Operation gehäuft daran gedacht, mir das Leben zu nehmen. Gott sei dank habe ich durch die Unterstützung einer Stomatherapeutin gelernt, mich mit meiner Situation so konstruktiv auseinanderzusetzen, dass ich jetzt in der Lage bin, sie zufrieden stellend zu handhaben. Auf diese Leistung bin ich stolz. Immerhin habe ich trotz aller Rückschläge erfolgreich daran gearbeitet, das ehemals von mir verabscheute Stoma zu akzeptieren und mit ihm so umgehen zu können, dass ich mich der Situation nicht mehr ausgeliefert, sondern einigermaßen gewachsen fühle.
Ein Leben mit einem Ileostoma ist alles andere als leicht. Doch hat es mir das Leben gerettet.
Erika lebt nach einer Darmkrebserkrankung mit einem Ileostoma. In einem Erfahrungsbericht hat sie uns geschildert, wie für sie das Leben mit ihrem Stoma aussieht. In den kommenden Monaten werden wir weitere Teile ihres Berichts auf Stoma-Welt.de veröffentlichen. Darin schreibt Erika über ihren täglichen Umgang mit ihrem Stoma, Einschränkungen bei der Hausarbeit, ihre Freizeitaktivitäten und wie das Stoma ihre Einstellung zum Leben veränderte.
Kategorie: Erfahrungsberichte